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Zitate
(Auswahl)

Neue Westfälische 14.05.2011


 

Westfalen-Blatt 14.05.2011


 

Lippische Landeszeitung Nr. 76 /
Samstag, Sonntag, 2.-3.-April 2006

WOLFGANG WAESCH DIE MÜHEN DES MACHENS
- von Jan Hoet -

Im Mittelpunkt des künstlerischen Oeuvres von Wolfgang Waesch steht ohne Zweifel der menschliche Körper. Direkt und frontal — das Gegenüber im Bild ist der Ort, an dem Wolfgang Waesch mit hohem Einsatz agiert. Im Medium des Portraitierens sucht Waesch nicht das finito des geformten Portraits, sondern Spuren von Charakter — eine Suche, die auch »Fehler« und Unzulänglichkeiten nicht ausschließt, ja geradezu provoziert Die Kunst des Malens, so Charles Baudelaire, ist dasjenige, was er aus der Tradition entlehnen kann — nicht aber die Geformtheit des Gemalten.

Wolfgang Waesch ist Autodidakt; erst spät (aber noch früh genug) erkannte er, dass die Logik der aktiven Welt, der reine Brotberuf ihm zu beschränkt erschien. Normalerweise stehe ich Autodidakten eher skeptisch und abwartend gegenüber; im Fall von Wolfgang Waesch, der permanent auch mit seiner Ohnmacht kämpft und streitet, liegt der Fall anders. Es war für ihn ohne Zweifel eine Existenzfrage, die ihn dazu zwingt, eigenständige Ausdruckswelten entstehen zu lassen.

Wolfgang Waesch ist ein laborierender Künstler: er scheint geradezu in der Materie des Malens zu wühlen, sich mit ganzem Körpereinsatz in das Machen des Bildes hinzugeben. »Wenn ich ein gutes Portrait sehe, dann sehe ich die Mühe des Machens«(Baudelaire). Diesen »Mühen« setzt sich auch Waesch immer wieder aus. Das «Hauen« von malerischen Bildformen erscheint im Werk des Künstlers als eine fast skulpturale Arbeitsweise, die seinem künstlerischen Temperament in jeder Weise entspricht. Die Lust am malerischen Ausdruck korrespondiert mit dem Wunsch des Künstlers sich in der Malmaterie ein Gegenüber zu schaffen. Kunst ist für Waesch auch eine existenzielle Notwendigkeit, ein Wunsch, im Bild trotz aller markanten Hiebe und Eingriffe eine Distanz herzustellen, das eigene Suchen als Prozess zu begreifen.

Die Unruhe und die Mühen, die in den Wiederholungen und Spuren seiner Malerei zu Ausdruck kommt, verrät einerseits die Suche nach Offenheit und Lust seinen Gegner, die Leinwand, zu bearbeiten andererseits aber auch den Wunsch, das Malen selbst als Wegmalen und zugleich als Ort der Neugeburt von Malweisen auf der Fläche des Bildes zu erschaffen.

Wolfgang Waeschs Arbeiten überraschen. Sie sind nicht als Arbeiten eines Autodidakaten erkennbar, dessen sophistikierende Ausdrucksweisen durch Ekklektizismen und naive Gesten geprägt sind. Das früher vielfach Kraftstrotzende und Brachiale seines Zugriffs hat sich in letzter Zeit sichtbar gemäßigt. Die Körper suchen Balancen zu anderen Körpern oder Dingen, das kleinere Format scheint das körperliche Agieren des Malens bremsen zu wollen.

Wolfgang Waeschs Objekte bewegen sich zwischen Zufall und Form, zwischen dinghafter Präsenz und poetischer Verrückung. Sie ver-rücken kleine Details und schaffen so leichte Unordnung, un-geordnete Bedeutungen. Hier zeigt sich Waesch eher als sensibel montierender Spieler denn als kraftvoll agierender Maler-Akteur.

Jan Hoet
Künstlerischer Direktor
MARTa Herford


Aus "Wolfgang Waesch: Werke - 1986 - 2005" Ausstellungskatalog, Westfalenverlag, Bielfeld 2005

Willi Kemper
Leiter Künstlerhaus Lydda, Bethel, Bielefeld

Rede zur Eröffnung der Ausstellung mit Werken von WOLFGANG WAESCH
im Foyer der Stadtwerke Bielefeld am 21.09.05

... Je länger ich die Arbeiten des Malers Wolfgang Waesch betrachtet habe, umso mehr entstand in mir ein anderes Zeitgefühl. Der Künstler ist scheinbar in der Lage, mit seiner Kunst Zeit auszudehnen, Zeiterfahrung zu verändern, über die Zeiten eine große, alles verbindende Linie zu ziehen. Seine Bilder sind Bilder von heute, zweifellos, fest verwurzelt im künstlerischen Schaffen unserer Zeit, aber sie können uns auch auf eine ganz eigenartige Weise herausholen aus dieser Zeit, aus unserer in die Zeit eingespannten Wirklichkeit. Seine Bild-Köpfe wären vor tausend Jahren so gültig gewesen wie heute und sie werden in ihren Spuren weiter gültig bleiben.

In den Bildern steckt Erhabenheit, weil sie nicht klagen, Stärke, weil sie voller Ruhe sind, Weisheit, weil sie ihr Wissen bewahren. Sie wirken mit ihrer starken Präsenz - mit ihrer fast magischen Zeitlosigkeit. Die großen Bild-Gesichter stehen für keinen einzelnen Menschen, sie sind archetypisch, sie stehen für viele, für Generationen, für uns, für die, die vor uns waren und für die, die nach uns kommen. Waesch beschwört mit seiner Malerei die Existenz des Menschen. So sind seine großen Kopf-Gesichter keine Darstellung einer individuellen Existenz, es sind verankerte Gesichter im Lauf der Zeit, gültig im Gestern, im Heute und im Morgen.

Ich will versuchen, mich auf die Spuren der Arbeitsprozesse zu begeben, deren Resultat diese Kunstwerke sind. Die Bilder des Malers Wolfgang Waesch verstecken nichts, alles liegt offen, die Bilder sind so, als ob der Maler gerade den Arbeitsprozess beendet hätte. Sie suggerieren in ihrer stärksten Form dem Betrachter eine scheinbare Teilhabe am Schöpfungsprozess der Werke. ...

... Und so könnten wir weiter durch die Ausstellung ziehen, in jedem Bild steckt der Kürister, in jedes Bild gab er seine Kraft und seine Ahnungen. Seine Arbeiten verbinden:
Menschen, Zeiten, Kulturen. Der Künstler Wolfgang Waesch weiß um das Kommen und Gehen, um das Bedeutende und das Unbedeutende. Letztlich ist er ein Weiser, einer der mit seiner Malerei Gefühle und Sehnsüchte, die elementar und zeitlos sind, bildhaft macht.

Zitat aus Katalog "Kunst-Arbeit"
"Tor 1" und "Waldhof" als Forum zeitgenössischer Kunst aus Nordrhein-Westfalen
Bielefelder Kunstverein 1996
Prof. Dr. Andreas Beaugrand - Leiter Bielefelder Kunstverein

"Über das Zeichnen und Malen menschlicher Portraits gelangte Wolfgang Waesch zu seinen heutigen, durch unzählige Farbschichten schweren Bildern, in deren Formen und Zeichen sich die Erfahrungen, Erinnerungen und Gefühle eines wechselhaften Lebens spiegeln.

Es sind emotionale Bilder, deren abstrahierte Gegenständlichkeit eigene Emotionen wachrufen,
deren Ursprung man - verwundert - nicht zu bestimmen weiß."